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Übersetzungsprojekt

Der Pietismus

Das Wort "Pietismus" wird normalerweise mit einer Reform-Bewegung in Verbindung gebracht, die Philipp Jakob Spener ums Jahr 1670 innerhalb der lutherischen Kirche mit ins Leben gerufen hat.  Es sind ihr allerdings ähnliche Bewegungen vorausgegangen, die in der Dutch Reformed Church (dt., holländische reformierte Kirche) von Gisbert Voetius und am deutschen Niederrhein von Gerhard Tersteegen begonnen wurden.  Sie war eine Reaktion gegen und eine Alternative zu der toten Orthodoxie, die sowohl in der reformierten als auch in der lutherischen Kirche überhand genommen hatte.

Jemand hat die lutherische Kirche jener Zeit wie folgt beschrieben:

Im siebzehnten Jahrhundert wurde die lutherische Lehre wurde von ihren Theologen strikt vereinheitlicht. ... Das Ergebnis war eine noch nie da gewesene Erhärtung der Lehre der Lutheraner.  Die Hüter der Orthodoxie setzten sich nicht nur für die Reinhaltung der Lehre in Bezug auf die Kommunion ein; zudem musste die Wahrheit in anerkannten Formulierungen ausgedrückt werden.  Jede Abweichung im Ausdruck wurde sofort als sehr verdächtig angesehen. ...  In dieser ausgesprochen dogmatischen Atmosphäre erhielt das Wesen des Christentums mit der Zeit den Anschein, als bestehe es aus einer Reihe rationell zusammengestellter Lehrsätze.  Der Glaube wurde zum großen Teil derart neu definiert, dass er nur noch in der persönlichen Zustimmung zu diesen Lehrsätzen bestand.

In seinen Predigten betonte Philipp Jakob Spener, ein lutherischer Pfarrer, die Notwendigkeit eines lebendigen Glaubens und der Heiligung im täglichen Leben.  Seine Botschaft machte viele der ernsthafteren Lutheraner zu seinen Anhängern.  Trotzdem erkannte Spener bald, dass es ihm nicht gelingen würde, die breiten Massen zu einem höheren Grad der Heiligung zu bewegen.

Statt eine neue Gemeinde oder Sekte zu gründen, wie es die nicht-katholischen Spiritualisten vor ihm gemacht hatten, truag sich Spener mit der Idee, eine "Gemeinde innerhalb der Gemeinde" zu formen.  Das heisst, er wollte eine collegia pietatis gründen, eine Gruppe entschiedener Christen, die sich in seiner Privatwohnung zum Gebet und Bibelstudium treffen würden.  Doch diese Gruppe würde Teil der lutherischen Kirche bleiben.  Sie würde weder taufen, noch Kommunion feiern, noch sich zu Zeiten zusammenfinden, die in Konflikt zu den regelmäßigen Gottesdiensten der lutherischen Kirche stünden.

Spener veröffentlichte seine Ideen in einem Buch mit dem Titel Pia Desideria - fromme Wünsche.  Durch Pia Desideria gewann Spener viele Anhänger, doch das Buch erregte zudem heftigen Widerspruch unter den lutherischen Theologen.  Bald hatten sich auch andere, wie z.B. August Hermann Francke, Spener bei seinem Versuch angeschlossen, in die lutherische Kirche eine geistliche Erneuerung hinein zu bringen.  Ähnliche Bewegungen entstanden in den Puritaner-Gemeinden und unter den Reformierten.

Die Pietisten haben sich nicht nur mit innerer Frömmigkeit, sondern auch mit der praktischen Umsetzung der Lehre Jesu beschäftigt.  Francke und andere Pietisten haben zum Beispiel Waisenhäuser sowie Schulen für die Armen gegründet.  Sie unterstützten die Mission in fernen Ländern und arbeiteten daran, dass Bibeln im eigenen Land verteilt wurden.

Parallel dazu schlossen sich die Pietisten meistens der Lehre der etablierten Kirchen - der reformierten oder der lutherischen - an.  Das Wichtigste, was sie der protestantischen Theologie hinzufügten, war die Betonung der Wiedergeburt.