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Übersetzungsprojekt

Das Liebesmahl

Wenn man heute einen typischen Christen fragen würde, wie eine christliche Versammlung in den Tagen der Apostel ausgesehen hat, bekäme man wahrscheinlich unterschiedliche Antworten.  Ein Evangelikaler würde wohl antworten, dass sie hauptsächlich aus Predigen und Singen bestanden hat.  Der Charismatiker würde behaupten, dass sie vor allem Anbetung, Lobpreis und die Ausübung übernatürlicher Gaben umfasste.  Ein Anglikaner würde vielleicht antworten, dass sie in erster Linie die Feier der Eucharistie sei.  All diese Antworten sind natürlich teilweise richtig.  Doch ein ziemlich wichtiger Teil apostolischer Anbetung - woran heute die wenigsten Christen denken würden - drehte sich um eine Mahlzeit.

Jawohl - eine Mahlzeit!  Die frühen Christen nannten diese Mahlzeit die agape.  Auch nach dem Tod der Apostel hat die frühchristliche Gemeinde (vor dem Konzil von Nicäa) die agape oder das Liebesmahl weiterhin praktiziert.  Aber innerhalb von ca. hundert Jahren nach der Bekehrung des Konstantin verschwand dieser wichtige Teil apostolischer Anbetung.

Wie entstand das Liebesmahl?

Um den Ursprung des Liebesmahls zu finden, müssen wir nicht weiter als bis zum Letzten Abendmahl zurückgehen.  "Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot, segnete, brach und gab es den Jüngern und sprach:  Nehmt, esst, dies ist mein Leib!" (Matt 26,26).  Demnach wurde die allererste Eucharistie im Rahmen einer Mahlzeit eingesetzt!  Eine Mahlzeit war auch weiterhin der übliche Umstand, unter dem sich Christen zur Gemeinschaft und Anbetung zusammenfanden.  In der Apostelgeschichte 2,46 lesen wir:  "Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Frohlocken und Schlichtheit des Herzens."  Der Ausdruck "Brot brechen" weist zweifellos auf die Eucharistiefeier hin.  Aber dass sie "Speise mit Frohlocken nahmen" deutet darauf hin, dass dies mehr als nur die Kommunion war; es war ebenfalls eine Mahlzeit.

Nirgends wird diese Praxis deutlicher bestätigt als in der Bibelstelle zur Kommunion in 1 Kor 11,20-34.  Paulus beginnt diese Stelle mit den Worten:  "Wenn ihr nun zusammenkommt, so ist es nicht (möglich), das Herrenmahl zu essen.  Denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist trunken."  Nun ist hier offenbar die Rede von mehr als nur der Eucharistie.  Niemand wird von der kleinen Menge Wein in der Kommunion betrunken.  Es ist ebenfalls nicht glaubwürdig, dass einzelne Menschen die Kommunion vor den anderen erhalten würden, weil sie Hunger hatten.  Nein, Paulus beschreibt offensichtlich eine Mahlzeit - das Liebesmahl, das der eigentlichen Eucharistie vorausging.

Dass die Eucharistie jedoch am Ende des Liebesmahls (oder als Teil dessen) gefeiert wurde, geht klar aus den Versen 23-30 dieser Stelle hervor.  In diesen Versen erwähnt Paulus ausdrücklich, dass Jesus Brot nahm und sprach, "Nehmt, esst, dies ist mein Leib, der für euch ist." (1 Kor 11,24).

Eine andere Stelle in der Schrift, die das Essen als Bestandteil eines neutestamentlichen Gottesdienstes erwähnt, ist Apg 20,11, wo es heißt:  "Und als er hinaufgestiegen war und das Brot gebrochen und gegessen und lange bis zum Anbruch des Tages geredet hatte, reiste er so ab."  Paulus hat also nicht nur gepredigt, sondern auch gegessen!

Dann gibt es den bekannten Hinweis im Judasbrief, wo Judas auf solche hinweist, die "Flecken bei euren Liebesmahlen, indem sie ohne Furcht Festessen mit (euch) halten und sich selbst weiden" sind (Judas 12).  Hier benutzt Judas das griechische Wort agape, um das zu bezeichnen, was heute als das Liebesmahl bekannt ist.

Fast alle Gelehrten sind sich einig

Wirklich erstaunlich ist, dass sich die meisten Fachleute auf den biblischen und patristischen Fachgebieten - ob katholisch oder evangelisch, ob liberal oder konservativ - in dieser Sache alle einig sind:  dass neutestamentliche Anbetung das Liebesmahl umfasste, gefolgt von der Predigt und der Eucharistie.  Hier nur ein paar Beispiele:

Aus dem konservativen Evangelical Dictionary of Theology (dt., evangelikales Lexikon der Theologie):  "Es ist offensichtlich, dass bis zu der Zeit, als Paulus an die Korinther schreibt (ca. 55 n. Chr.), die Gemeinde die Praxis hatte, zu einer gemeinsamen Mahlzeit zusammen zu kommen, bevor sie das Herrenmahl feierte (1 Kor 11,17-34). ... Die hier beschriebene Situation ist nur im Rahmen einer Mahlzeit möglich, die mehr Inhalt hatte und dem Brot und Wein des Herrenmahls zeitlich vorausging." [S. 660]  Aus dem Oxford Dictionary of the Christian Church (dt., Oxford-Lexikon der christlichen Gemeinde), das im allgemeinen die anglikanisch-katholische Ansicht widerspiegelt:  "Der Begriff [agape] wird auch für die gemeinsame religiöse Mahlzeit verwendet, die scheinbar in der frühen Gemeinde im engen Verhältnis zur Eucharistie gestanden hat.  Der klassische neutestamentliche Hinweis ist 1 Kor 11,17-34, wo Missstände, die die gemeinsamen Mahlzeiten vor der Eucharistie begleitet haben, verurteilt werden." [S. 23]  Der liberale Oxford Companion to the Bible (dt., Oxford-Begleiter zur Bibel) bemerkt:  "Das Liebesmahl ist die gemeinsame Mahlzeit, durch die die Christen zuerst dem Gebot Christi beim Letzten Abendmahl 'Dies tut zu meinem Gedächtnis' Folge leisteten." [S. 469]  Die protestantische International Standard Bible Encyclopedia (dt., internationale Standard-Enzyklopädie der Bibel) schreibt Folgendes über die agape:  "Nach Meinung der überwiegenden Mehrheit der Gelehrten war die agape eine Mahlzeit, bei der nicht nur Brot und Wein, sondern auch allerlei Speisen verzehrt wurden; eine Mahlzeit, die dem doppelten Zweck diente, sowohl Hunger und Durst zu stillen, als auch dem Gefühl christlicher Brüderlichkeit Ausdruck zu verleihen...  Am Ende des Festes wurden Brot und Wein gemäß dem Gebot des Herrn genommen, und nach der Danksagung gegessen und getrunken zu Christi Gedächtnis; (es war) eine besondere Möglichkeit der Gemeinschaft mit dem Herrn Selbst und untereinander durch Ihn.  Die agape hatte also ein Verhältnis zur Eucharistie wie das letzte Passah Christi zu dem christlichen Ritual, welches er darauf baute.  Sie [die agape] ging der Eucharistie voraus und führte zu ihr hin, doch war sie ganz getrennt von ihr." [Bd. 1, S. 66]  Zum Schluss sagt die Encyclopedia of Early Christianity (dt., Enzyklopädie frühen Christentums), die sowohl katholische als auch protestantische Ansichten wiedergibt, Folgendes über das Liebesmahl:  "In der Geschichte der frühchristlichen Praxis jedoch ist agape auch ein liturgischer Begriff.  Mit 'Liebesmahl' (Judas 12) übersetzt, entspringt dieser Begriff der Mahlzeit, die das Neue Testament verschiedentlich 'Brot brechen' (Apg 2,42-47; 20,7-12) und 'Eucharistie' (1 Kor 11,20-34) nennt.  Als Kern-Tradition in der frühen Gemeinde erinnert die agape ausdrücklich an die Mahlzeiten, die Jesus mit seinen Jüngern feierte, besonders das Letzte Abendmahl ... und an die Mahlzeiten nach der Auferstehung, die in Lukas 24 und Johannes 20-21 beschrieben werden." [S. 17

Was ist aus dem Liebesmahl geworden?

Wenn das Liebesmahl ein solch wesentlicher Bestandteil apostolischer Anbetung war, warum ist es heute nicht auch noch da?  Die Antwort ist, dass die apostolische Tradition schließlich geändert wurde.  Obwohl Jesus und Seine Apostel die Gewohnheit einer gemeinsamen Mahlzeit vor der Eucharistie überlieferten, fingen einige Gemeinden an, dies nach dem Tod der Apostel zu ändern.  Während des zweiten und dritten Jahrhunderts wurde die agape schließlich von der Eucharistie getrennt.  Gemeinden fingen an, die Eucharistie morgens und das Liebesmahl abends zu halten.

Die Encyclopedia of Early Christianity macht folgende Bemerkung:  "Die Missstände, zusammen mit kaiserlichen Erlassen, die die Mahlzeiten geheimer Bündnisse verboten, haben zu der Trennung zwischen der brüderlichen Mahlzeit (agape) und der Eucharistie geführt, doch nicht überall und nicht gleichzeitig.  Bei Ignatius (ca. 110 n. Chr.), zum Beispiel, wird die Feier der agape in Verbindung mit der Eucharistie gebracht, doch getrennt von ihr gehalten.  Ebenfalls in der Didache.  Bei Justin dem Märtyrer scheint die Eucharistie die charakteristischen brüderlichen Funktionen der agape verschluckt zu haben. ... Andererseits sind bei Klemens von Alexandrien (ca. 200 n. Chr.) agape und Eucharistie trotz der offensichtlichen Missstände, von denen Klemens berichtet, miteinander vereint.

"Es gibt allgemeine Übereinstimmung, dass ab der Mitte des dritten Jahrhunderts die agape und die Eucharistie getrennte Wege gegangen sind." [S. 17]

Nichtsdestoweniger, auch wenn die agape und die Kommunion getrennte Wege gegangen sind, hat die Gemeinde bis in die Zeit nach Konstantin weiterhin beides praktiziert.  Vielleicht hätte das Liebesmahl bis in unsere Zeit weiter bestanden, wenn mit dem ursprünglichen apostolischen Muster (das Liebesmahl und die Eucharistie miteinander zu halten) nicht gebrochen worden wäre.  Die International Standard Bible Encyclopedia schreibt Folgendes über die Trennung der agape und der Eucharistie bzw. über das allmähliche Verschwinden der agape:

In der Didache (ca. 100 n. Chr.) gibt es noch keine Anzeichen für eine Trennung.  Die Anweisung, dass das zweite eucharistische Gebet "nach der Sättigung" geschehen sollte, scheint darauf hinzuweisen, dass eine normale Mahlzeit unmittelbar vor der Feier des Sakraments eingenommen worden war.  In den Briefen des Ignatius (ca. 110 n. Chr.) sieht man das Herrenmahl und die agape noch im Zusammenhang miteinander...

Bei Justin dem Märtyrer (ca. 150 n. Chr.) allerdings finden wir in seiner Beschreibung eines Gottesdienstes überhaupt keine Erwähnung der agape, sondern er spricht so von der Eucharistie, dass sie einem Gottesdienst folgt, der aus Vorlesen der Schrift, Gebet und Ermahnung besteht.  Tertullian (ca. 200 n. Chr.) bezeugt, dass die agape weiterhin existierte, doch war es klar, dass in der westlichen Gemeinde die Eucharistie nicht mehr damit in Verbindung gebracht wurde.  Die Verbindung scheint im Osten länger aufrecht erhalten worden zu sein, aber allmählich gab es die Trennung überall auf der Welt; und auch wenn die agape sich in der Gemeinde noch lange Zeit als soziale Einrichtung gehalten hat, geriet sie doch allmählich in Vergessenheit." [Bd. 1, S. 66]